Geld verdienen mit dem Elektroauto und V2G
Der Bundestag hat Ende 2025 die regulatorischen Voraussetzungen für bidirektionales Laden gelegt: Seit 1. Januar 2026 sind die doppelten Nutzentgelte für bidirektionales Laden abgeschafft und Vehicle-to-Grid (V2G) wird erstmals in Deutschland wirtschaftlich interessant.
Keine doppelte Belastung mehr für E-Autos
Bislang wurden E-Autobesitzer:innen zweimal mit Netzentgelten belastet: einmal beim Laden und ein zweites Mal, wenn sie nach einer Rückeinspeisung des Stroms ihre Batterie erneut aufladen mussten. Grund dafür war die so genannte Ausschließlichkeitsoption des EEG, die Batteriespeicher nur dann als förderfähig definierte, wenn der eingespeiste Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammte. Sobald der Speicher auch aus Netzstrom beladen wird, entfällt nach dieser Regelung die Förderfähigkeit. Diese finanzielle Benachteiligung wurde jetzt abgeschafft: Mit der so genannten MiSpeL-Festlegung (Marktintegration von Speichern und Ladepunkten) der Bundesnetzagentur werden Ladepunkte insoweit Stromspeichern gleichgestellt, dass zukünftig der aus dem Netzbezug zwischengespeicherte Strom nicht mit Entgelten belastet wird.
Hintergrund zum Festlegungsverfahren sind neue Regelungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und im Energiefinanzierungsgesetz (EnFG), die mit dem so genannten Stromspitzengesetz zur Vermeidung von temporären Erzeugungsüberschüssen 2025 in Kraft getreten sind.
Die Entlastung bei den Netzentgelten ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten, die technische und regulatorische Vereinfachung von V2G durch die MiSpeL-Festlegung folgt zum 1. April 2026.
E-Autos als dezentraler Speicher
Elektrofahrzeuge und Ladepunkte für bidirektionales Laden können zukünftig nicht nur flexibel Strom aufnehmen, sondern rechtlich wie ein Speicher am Marktgeschehen teilnehmen und so zu einem wichtigen Baustein der Energiewende werden. Das potenzielle Speichervolumen wird bei der aktuellen Elektrifizierungsquote von schwachen 3 % bereits auf rund 3,3 bis 5,0 GWh geschätzt (The Mobility House Energy) - das entspricht in etwa einem Großkraftwerk, verteilt über Millionen Fahrzeuge.
Was ist Vehicle-to-Grid?
Vehicle-to-Grid (V2G) bedeutet, dass das Elektrofahrzeug nicht nur Strom lädt, sondern auch ins Netz zurückspeist. Die Batterie wird so zu einem flexiblen Speicher, der in Spitzenzeiten einen Teil seiner gespeicherten Energie ins Netz abgibt. E-Autobesitzer:innen erhalten dafür eine Vergütung.
Wie hoch ist die Vergütung?
Die möglichen Einnahmen differieren je nach Anbieter. Große Stromanbieter, wie z.B. E.ON, bieten seit Kurzem die ersten kommerziellen V2G-Tarife für Privatkunden an. Demnach wird jede Stunde, in der das Elektroauto verfügbar ist, mit einem bestimmten Cent-Betrag vergütet. Bei E.ON ist die Jahresvergütung auf maximal 720 Euro gedeckelt, was laut Anbieter einer Fahrleistung von mehr als 10.000 Kilometern entspricht. Andere Modelle bieten monatliche Boni, die an eine bestimmte Stundenleistung gekoppelt sind. Möglich sind auch reduzierte Ladestromkosten.
Herausforderungen
Einer raschen Umsetzung steht allerdings der in Deutschland geringe Smart-Meter-Ausbau entgegen, hier ist ein schnellerer Rollout unverzichtbar. Darüber hinaus entfällt die doppelte Stromsteuer nur für Haushalte mit eigener Photovoltaik-Anlage, für andere Nutzer bleibt sie vorerst bestehen.